Geraer Heiko Linke erhält DFB-Ehrenamtspreis

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Die Kapitäne Heiko Linke (l./Westvororte) und Steffen Kellig (Zwickau) begrüßen sich freundschaftlich vor der Partie. Foto: Jens Lohse

Fußball: Der 57-jährige einstige Torwart und Trainer zeichnet derzeit beim TSV Gera-Westvororte für die Öffentlichkeitsarbeit und die Sponsorengewinnung verantwortlich

Gera. Der Geraer Heiko Linke erhält den DFB-Ehrenamtspreis 2023 des KFA Ostthüringen. Der 57-Jährige, der derzeit als Öffentlichkeits- und Sponsorenverantwortlicher bei Fußball-Thüringenligist TSV Gera-Westvororte fungiert, gilt als fußballerischer Allrounder. Seit 16 Jahren ist er fast ununterbrochen als Funktionär oder Übungsleiter tätig. 2006 hatte Andreas Gareis den einstigen Schlussmann am Telefon gefragt, ob er sich nicht vorstellen könnte, beim 1. FC Gera 03 als Torwarttrainer zu fungieren. „Ich habe zugesagt. Damit war mein Fußball-Feuer wieder entfacht. Das lodert bis heute“, verrät Heiko Linke, der sich in der Folge nicht nur um die Torhüter des Vereins wie Stefan Richter, Jens Roß und Norman Wohlfeld, sondern später auch um die B-Junioren kümmerte und die Geschäftsstelle betreute. Bis zum Sommer 2010 blieb er ein 03er, wechselte nach dem Insolvenzverfahren Ende des gleichen Jahres zum TSV Gera-Westvororte. „Michael Pannach hat mich angerufen. Mit dem Doc hatte ich schon immer ein gutes Verhältnis.

Sein letztes Spiel zwischen den Pfosten bestritt der damals 46-jährige Heiko Linke (r.) am 23. Juni 2012 beim freundschaftlichen Vergleich der SG Gera-Westvororte gegen den damaligen Oberliga-Meister FSV Zwickau (1:6). Bis zu seiner Auswechslung nach 27 Minuten kassierte er keinen Gegentreffer, brachte aber die Angreifer der Westsachsen mit einigen tollen Paraden zur Verzweiflung. Foto: Jens Lohse

Er hat mich als Sportlichen Leiter in den Vorstand geholt“, erinnert sich der studierte Diplom-Kaufmann der Nahrungsmittelwirtschaft, der seine Kontakte nutzte, um den Verein aus Scheubengrobsdorf mit jungen Spielern zu versorgen. „Mit Benjamin Hinz und Marcus Schneider waren schon zwei einstige 03er in der Saarbach-Arena am Ball. Damals haben wir das Vereinsmotto ´Jung und gersch` eingeführt und den Verein nach und nach aus der Kreisoberliga in die Thüringenliga geführt. Ich habe viel Aufbau-Arbeit geleistet, auch Maximilian Dörlitz wieder nach Gera zurückgebracht. Christopher Wolf, Maximilian Kurth und Tim Richter waren die nächsten, die den Weg in die Westvororte gegangen sind“, so Heiko Linke. Das Konzept ging auf, auch als Auffangbecken für Studenten aus Jena, Leipzig oder Zwickau zu fungieren, die zwar nicht dreimal in der Woche trainieren können, aber trotzdem ambitioniert Fußball spielen wollten. 2018 gab Heiko Linke dann die sportliche Leitung an Philipp Schlebe weiter, auch weil er selbst eine kleine Pause brauchte. „Mittwoch Abend kam einmal meine im Abiturstress stehende Tochter Josi zu mir und fragte mich, ob ich ihr bei einem Referat helfen könnte. Da habe ich gesagt, dass es jetzt nicht geht. Donnerstag hatte ich aber Training, Freitag Vorstandssitzung, Sonnabend Spiel und am Sonntag musste ich den Spielbericht schreiben. Das war für mich ein Alarmsignal. Ich brauchte als alleinerziehender Vater mit Vollzeit-Beschäftigung im Autohaus unbedingt eine Funktionärspause, auch wenn ich die Facebook-Seite des Vereins weiter betreute“, erzählt der 57-Jährige, der seinem Herzensverein Westvororte treu blieb. Nach dem Wechsel im Präsidium kehrte Heiko Linke in den Vorstand zurück, agierte als Vizepräsident, zwischenzeitlich auch als Vorstand Sport, ehe er sich wieder auf die Öffentlichkeitsarbeit und die Sponsorengewinnung konzentrierte.

Selbst hatte Heiko Linke mit sieben Jahren in Langenberg mit dem Fußball begonnen, erst als Feldspieler, ehe er schnell zwischen die Pfosten rückte. Bei einer Kreisspartakiade in Leumnitz bei den Schülern sprachen die Wismut-Talentespäher seinen Vater an. Er wechselte ins Stadion der Freundschaft, trainierte fortan bis zu fünfmal in der Woche. Mit 19 Jahren stand er 1984 urplötzlich im Kader in Geraer Liga-Mannschaft, weil mit Andreas Drechsler einer der beiden etatmäßigen Keeper mit seiner damaligen Ehefrau, der Weitsprung-Weltmeisterin Heike Drechsler aus Jena auf einer mehrwöchigen DTSB-Auszeichnungsreise auf Kuba weilte. Im Spiel bei Vorwärts Dessau am 14. Oktober 1984 verletzte sich dann Torwart Dirk Gottschalk am Kopf, so dass Heiko Linke in den Kasten musste. „Zwei Monate zuvor hatte ich noch am Stadionzaun gestanden und mir Autogramme geholt. Dann stand ich auf einmal mit Gerhardt Hoppe, Matthias Kaiser, Thomas Töpfer, Uwe Neuber und Martin Trocha gemeinsam in einem Team“, weiß der damalige Youngster noch. Die TV-Bilder von der 2:5-Niederlage – damals ein Fernsehspiel im Fußball-Panorama – bekam er nie zu Gesicht. „Als das im DDR-Fernsehen lief, waren wir noch auf der Rückfahrt“, so der Schlussmann, der sich kurz darauf im Training eine zunächst nicht diagnostizierte Handgelenksfraktur zuzog und außerdem zum Armeedienst eingezogen wurde. Ein paar Begegnungen absolvierte er noch für die ASG Gera, ehe er operiert und seine junge Laufbahn unterbrochen wurde. Knapp zehn Jahre später heuerte er beim TSV Gera-Westvororte an, zog danach weiter zum SV Elstertal Bad Köstritz, der bis in die Landesklasse aufstieg, bevor Heiko Linke die Torwart-Handschuhe endgültig an den Nagel hängte.

Bei der SG Gera-Westvororte will er seinen Teil zum Klassenerhalt in der Thüringenliga beitragen. „Es wird schwer. Aber das neue Trainergespann und die meist sehr jungen Spieler werden alles geben. Aufgabe des Vorstands ist es, die Bedingungen zu schaffen, damit es auch in der Landesklasse weitergehen könnte“ sagt Heiko Linke, der gern betont, dass der Gera-Westvororte der einzige Verein ohne Bahnhof in der Thüringenliga ist. „Dass wir dort oben spielen, daran habe auch ich mitgewirkt. Darauf bin ich stolz“, sagt der 57-Jährige, um sich gleich wieder an die Arbeit zu machen und den nächsten Beitrag für die Facebook-Seite des Vereins zu verfassen.

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