Musik unter den Häusern der Stadt

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Hendrik Schnöke erklärt am Eingang den Ausstellungsaufbau. Foto: Wolfgang Hesse

Ensemble DiX inszeniert die Musikalischen Exequien für Geras Unterwelt

Gera-Heinrich Schütz und Heinrich Posthumus Reuß hätten während ihres Lebens die Geraer Höhler unter den Häusern der Stadt noch erleben können. Damals jedoch nicht als eine Höhlerführung, sondern als Gast in einer der Bürgerfamilien. Für das gebraute Bier wurden ab dem 16. und vor allem im 17. und 18. Jahrhundert mehr und mehr Höhler für die Bierlagerung errichtet. Inwieweit die beiden Heinriche dieses Bier jemals tranken steht leider nicht in den Überlieferungen.

Hendrik Schnöke und das ensemble DiX nutzen diese Gänge unter Geras Straßen, die entfernt an Katakomben erinnern, um die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz in den Geraer Höhlern neu zu inszenieren. Anlässlich des 350. Todestags von Heinrich Schütz am 6. November 2022 (1672) und des 450. Geburtstages von Heinrich II. Posthumus Reuß am 10. Juni 2022 (1572) entstand eine musikalische Ausstellung, welche das Werk in ungewöhnlicher Weise sinnlich erfahrbar macht.

„Für diese Klanginstallation werden wir gemeinsam mit Sängerinnen und Sängern des Konzertchor Rutheneum Ausschnitte aus den ‚Exequien‘ von Heinrich Schütz aufnehmen und in den verzweigten Gängen der Geraer Höhler zu einem begehbaren Gesamtklang verschmelzen lassen“, verrät Hendrik Schnöke, der Klarinettist des Ensembles. Die Einsetzungsworte „Herr, wenn ich nur dich habe“ aus dem II. Teil des Werkes stehen als Titel über diesem besonders eindrucksvollen Musikerlebnis. Verarbeitet wurden Teile des ersten Teils des Werkes und der oben genannte zweite Teil. Die Besucher erleben eine interaktive Klanginstallation. Die Mitwirkenden sind einzeln und die gesamte Aufnahme als Ganzes zu erleben, je nachdem wo man sich in der Ausstellungshöhlern befindet. Es ist ein Erlebnis für Auge und Ohr.

Die Musikalischen Exequien entstanden im Jahre 1636 nach dem Tode von Heinrich II. Posthumus Reuß. Der Landesherr schätze den Komponisten Schütz, der in Bad Köstritz geboren und inzwischen zu einem bekannten Musici in Deutschland geworden war. Heinrich Posthumus als gläubiger Protestant plante seine Trauerfeier sehr genau und suchte im Vorfeld Bibeltexte aus, die später seinen Prunksarkophag schmücken sollten. Schütz erhielt den Auftrag diese Texte zu einer Begräbnismusik zu verarbeiten. So entstanden die Musikalischen Exequien in Form einer ersten „teutschen Begräbnis-Missa“.

Acht Sängerinnen und Sänger des Konzertchores Rutheneum unter Leitung von Christian K. Frank, sowie die Musiker des ensembles DiX nahmen bereits am 12. Juli diesen Jahres die Musik für die Höhlerinstallation im Konzertsaal des Theaters aus.

Gefördert wurde das Projekt des ensemble diX und des Theaters Altenburg Gera, von der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen und unterstützt vom Verein zur Erhaltung der Geraer Höhler e.V., der Ökumenischen Akademie Gera/Altenburg, dem Kulturamt der Stadt Gera, Trautmann & Partner und weiteren privaten Förderern.

Vor kurzem haben die Musiker des ensemble DiX eine Startnext Kampagne ins Leben gerufen. „Insbesondere die klimatischen Verhältnisse im Höhler machen die Anschaffung von spezieller Technik nötig, die ihren Preis hat. Um diese erhöhten Kosten tragen zu können, benötigen wir Ihre Hilfe“, erklärt Hendrik Schnöke auf der Spendenseite. Nur damit sei ein mehrwöchiger störungsfreier Betrieb der Installation zu garantieren. Der Finanzierungszeitraum läuft vom 10. Oktober bis zum 4. Dezember 2022.

Die Klanginstallation „Herr wenn ich nur dich habe“ ist vom 12.-30. November, jeweils von 13:00-18:00 bei freiem Eintritt zu erleben. Der Zugang zu den Ausstellungshöhlern erfolgt im Museum für Angewandte Kunst, Greizer Straße 37/39.

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