Wismut Gera schafft die Pokal-Sensation

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BSG Wismut Gera - FC Rot-Weiß Erfurt 1:0. Wismut-Kicker Franz Hoffmann (r.) versucht, einen Angriff der Erfurter Rot-Weißen zu unterbinden. Foto: Jens Lohse

Mit einem leidenschaftlich errungenen 1;0-Erfolg schaltet die Müller-Elf den FC Rot-Weiß Erfurt aus

Gera. Spieler der letzten DDR-Oberliga-Mannschaft der BSG Wismut Gera wie Matthias Kaiser, Heinz Zubek, Matthias Blaseck oder Gerd Struppert verfolgten das Landespokalspiel zwischen der BSG Wismut Gera und dem FC Rot-Weiß Erfurt von der Tribüne aus. Was ihnen vor 45 Jahren nicht vergönnt war, nämlich die Blumenstädter aus dem Pokal zu werfen, das gelang der jetzigen Generation. Vor allerdings nur 761 Zuschauern behaupteten sich die Orange-Schwarzen im Stadion der Freundschaft nach einer leidenschaftlichen Vorstellung mit 1:0. Für das Tor des Tages sorgte der Geraer Florian Schubert, der einen zu kurz geratenen Erfurter Rückpass erahnte, dazwischenlief und humorlos flach ins linke Eck vollendete (26.). Allerdings dachte zu diesem Zeitpunkt noch niemand daran, dass die bereits der Endstand sein könnte.

Erfurt – Regionalliga-Sechster – diktierte von Anbeginn das Geschehen auf dem Platz und erspielte sich auch einige gute Möglichkeiten. Aber Calvin Tshilumba Djella (8., 30) und Erik Weinhauer (12.) fanden ihren Meister im fehlerfreien Maximilian Paul zwischen den Wismut-Pfosten. Ballo Abou (35.) verzog aus bester Position. Die Geraer holten auch in der zweiten Halbzeit alles aus sich heraus. Nach einer guten Stunde setzten die ersten Wadenkrämpfe ein. Mit Max Zerrenner, Jimmy Wagner und Nils Bauer kamen frische Kräfte. Allzu viel fiel den Erfurtern nicht ein, die erstaunlich emotionslos agierten und trotz des Rückstands nur ihr Pensum herunterzuspulen schienen. Erst nach Gelb-Rot für Innenverteidiger Dimitri Puhan (77.) wurden die Lücken in der Gastgeber-Abwehr etwas größer. Doch als der Flachschuss von Nazzareno Ciccarelli das lange Eck verfehlte (90.) und die Nachspielzeit überstanden war – die gut besetzte Tribüne hatte lautstark im Chor „Abpfeifen! Abpfeifen!…“ gefordert – kannte der Jubel bei den Geraern keine Grenzen mehr. Wismut-Präsident Frank Neuhaus fiel Trainer Frank Müller überglücklich in die Arme. Florian Schubert feierte im Kreis mit seinen Mitspielern, um anschließend als Siegtorschütze von Interview zu Interview zu eilen. „Unser Plan ist komplett aufgegangen. Wir haben ein 3-5-1-1 gespielt gegen einen Regionalligisten. Alle sind um ihr Leben gerannt. Ich bin stolz auf meine Mannschaft“, meinte Wismut-Trainer Frank Müller. Auch Torwart Maximilian Paul war glücklich: „Das war mein bestes Spiel im Wismut-Trikot. Gleich die erste Großchance der Erfurter konnte ich parieren, war damit gleich drin im Spiel. Erfurt auszuschalten, ist ein unglaublich schönes Gefühl“, so der Keeper. Auch Kapitän Stefan Schumann ließ sich die Erschöpfung mit seinen 38 Jahren nicht anmerken. „Ich fühle mich wie 28. Die Truppe ist der Wahnsinn. Die macht mich jung. Da muss ich dabei sein“, strahlte der Routinier. Damit steht Wismut Gera wie aus der Region auch Thüringen Weida, die SG 1. FC Greiz und der SV 1913 Schmölln im Achtelfinale des Thüringer Landespokals.

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